Merkels Rede in Harvard war "Festgemauert in den Phrasen" ...
Dies und die weiteren Deutschland-Merkel-Etappen trägt sie in einem „Sendung mit der Maus“-Ton, in dermaßen schlichten Hauptsätzen vor, dass man nicht weiß, was man denken soll. Das ist hier doch Harvard oder etwa nicht? Bei den Nutzanwendungen dieser wohl selbst bis nach Amerika inzwischen durchgedrungenen Episoden, die stellenweise wie abgeschrieben aus den Harvard-Mitteilungen wirken und mit denen sie dann wohl so etwas wie Sinn stiften will, wird es noch dürftiger: das „Festgefügte“, das sich ändern könne; die Veränderungen, die „im Kopf beginnen“; das „unvorstellbare Leid“, das Deutschland über Europa und die Welt gebracht habe; die „gemeinsamen“ Werte; Freiheit, Demokratie und Wohlstand, die alle nicht selbstverständlich seien; die Regeln der Technik, die wir setzen sollten, statt unser Leben von Technik beherrschen zu lassen; das „Mögliche“, das manchmal nicht reiche und nicht unbedingt das „Richtige“ sei; sogar für die „Mauer in den Köpfen“ ist sie sich nicht zu schade.
Schließlich, und das wurde noch am Abend allenthalben als Zurechtweisung des an diesem ganzen Tag mit keiner Silbe erwähnten amerikanischen Präsidenten bejubelt: Wahrheit dürfe nicht Lüge sein (und umgekehrt), Multi- statt Uni- oder Bilateratismus. Es war im Grunde ihr „Wir schaffen das“, jetzt auf alles Mögliche bezogen, sogar auf die Klimapolitik (dass sie selbst zugunsten ihrer geliebten Automobilindustrie ja eher ein Hemmschuh ist: geschenkt). Genug. Es hat keinen Sinn, sich auch nur mit einem einzigen Satz inhaltlich auseinanderzusetzen. Das meiste hat man wirklich schon tausendmal gehört und kann es längst nicht mehr.
Nicht so die Leute in Harvard. Sie reagierten, gerade an den trivialen Stellen, ausgesprochen freundlich. In den immer wieder aufbrausenden Applaus, der manchmal sogar stehend verabreicht wurde, lächelte sie sympathisch hinein, heilfroh wahrscheinlich, dass sie mit ihrem abgestandenen Zeug hier so prima durchkam. In diesem Land, vielleicht in jeder politischen Öffentlichkeit mag es reichen, wenn man etwas in der Art sagt von „tear down this wall“, und die Leute sind aus dem Häuschen. Es sei der Bundeskanzlerin gegönnt. Sie trug ihre Versatzstücke gewohnt uneitel, aber eben auch ungelenk vor.
Jeder von den bald hundertjährigen Opas mit den Krückstöcken hätte das besser gemacht. Vielleicht hätte sie lieber Kramp-Karrenbauer vorschicken sollen? Egal. Nichts wie weg hier jetzt, bloß mit niemandem mehr Eindrücke austauschen, am Ende merken die noch, dass man Deutscher ist.
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