Dienstag, 14. Mai 2019

14.05.2019 - Bolschewiki

Kommunistische Verbrecher
Zehn Jahre nach der Revolution war der Lebensstandard noch geringer als unter dem Zaren, und es ging immer weiter bergab. ...
Die Verachtung der Bolschewiki für die Ukraine, die als rückständige Region ohne Anspruch auf nationale Selbstbestimmung galt, deren einzige Aufgabe es sei, Russland zu ernähren. Und das Urteil von Karl Marx, Bauern seien gar keine „Klasse“. Sie „können sich nicht vertreten, sie müssen vertreten werden.“ Lenin verschärfte das noch. Viele Bauern dächten wie Kapitalisten, weil sie ja Eigentum hätten, weswegen noch der kleinste Landbesitzer zu konterrevolutionären Gesinnungen neige. Der Name, dem man diesem Feind des Sozialismus gab, war „Kulak“.
Das wiederum durfte nicht am Sozialismus liegen, vor allem aber nicht an seinen Führern in Moskau. Es musste einerseits an den Bauern liegen, an den Priestern, am Ukrainertum. Der Widerstand gegen den ökonomischen Wahnsinn und Versuche zu überleben – die Bauern schlachteten zum Beispiel das Vieh lieber, als es beschlagnahmen zu lassen – wurden kriminalisiert. Andererseits wurde die Schuld den Funktionären vor Ort zugeschoben, die als Saboteure der weisen Planwirtschaft bezeichnet wurden. Ergo totgeschlagen. Am Ende reichte allein die Kenntnis der Hungersnot aus, hingerichtet zu werden. Als 1937 eine Volkszählung ergab, dass acht Millionen Menschen fehlten, Opfer des Hungers und entsprechend weniger geborene Kinder, wurden die obersten Volkszähler reihenweise erschossen.
Anne Applebaum beschreibt diese Verbrechen der russischen Revolution, ihrer Kollektivierungsideologie und ihrer politischen Mörder als sich abwärtsbewegende Eskalation hin zu wirtschaftlichen, politischen und moralischen Abgründen. Das Getreide, das die Bauern abliefern sollten, existierte am Ende nur noch in der Phantasie Stalins. Während Millionen Hungers starben, exportierte die Sowjetunion, was man ihnen weggenommen hatte, um an Devisen heranzukommen. Mit den Produkten der glorreichen Industrialisierung gelang das nämlich nicht. Am Ende entzogen die Parteifunktionäre den Bauern sogar das Saatgut und tobten, wenn gar nichts mehr aus ihnen herauszuholen war. Für Mundraub wurde die Todesstrafe eingeführt; schon sechs Monate nach Erlass des entsprechenden Gesetzes waren 4500 Personen deshalb hingerichtet worden. Wurde eine Familie beim Essen angetroffen, konnte das also zu Erschießungen führen. Wer nicht hungerte, so schreibt Applebaum, war verdächtig. Die Denunziation blühte, weil man mitunter denen, die Schuldige lieferten, Brot versprochen hatte.
Zuletzt herrschte freilich nur noch Apathie: „Die Leute sind abgestumpft, sie reagieren überhaupt nicht mehr. Nicht auf das Sterben, nicht auf den Kannibalismus, auf gar nichts“, hielt ein Parteifunktionär 1933 fest. ... (FAZ)

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