Donnerstag, 17. Januar 2019

17.01.2019 - Wohlsein

Das Wohlwollen der Medien
Ich hielt Claudia Roth ("Wie soll ich Sozialpolitik machen, wenn ich nichts empfinde?") für eine Heimsuchung oder Katrin Göring-Eckardt, die Frau, die mit den Bienen spricht. Habeck stellt alle in den Schatten. Niemand verkörpert den Politiker als Emotionalienhändler überzeugender als der Mann von der Küste. Keine Binse, die bei ihm nicht zu medialem Gold wird, kein Stein, der nicht durch das weiche Wasser seine Rede in Stücke bricht.


Was antwortet der Parteichef der Grünen auf die Frage, was ihn antreibe? "Wofür ich eine Leidenschaft habe, ist, vernünftige Interviews zu geben, Blogbeiträge zu schreiben, die nicht nur das Parteiprogramm wiederholen, auch mal ein Buch zu schreiben, wenn ich die Kraft und Zeit habe, und eben ganz direkt: die Debatte, wenn man dem Gegenüber in die Augen schauen kann." Die meisten Politiker sind froh, wenn sie dem Wähler hin und wieder die Hand schütteln können. Habeck begegnet ihm zwischen Interview und Buch auf Augenhöhe, ganz direkt im Ich und Du. Darunter macht er es nicht. (...)


Was mich an Habeck am meisten fasziniert, ist das Wohlwollen großer Teile des medialen Betriebs. Es heißt immer, der Journalismus sei der Beruf von Leuten, denen man nichts recht machen könne. Selbst über Mutter Teresa findet sich Abträgliches. Den Mann aus dem Norden finden alle im Prinzip toll. Habeck schafft es sogar, seine Mitvorsitzende blass aussehen zu lassen, ohne dass ihm das jemand übelnimmt.


Es ist wahrscheinlich nur ein böses Vorurteil, dass Journalisten alle Skeptiker und Zyniker sind. Auch wir Journalisten sehnen uns, tief im Innern, nach Liebe und Geborgenheit. Oder, um mit Robert Habeck zu sprechen: der Debatte, bei der man dem anderen in die Augen schauen kann. (SPIEGEL)


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