Freitag, 26. Juli 2019

25.07.2019 - Betreuer

Draußen in meinem Kopf
Ein wunderbarer Film .... und ... ein sehr, sehr, sehr wichtiger Film ...

Eibe Maleen Krebs’ „Draußen in meinem Kopf“ ist ein besonderer Film über eine Freundschaft zwischen Sterbebegleitung und Abschiednehmen. Er ist intim, gefühlvoll – aber auch schrecklich authentisch. 

Nichts verachtet Sven (Samuel Koch, seit seinem Unfall bei „Wetten, dass ..?“ gelähmt) so sehr wie die Gutmenschen, die an Weihnachten mit Schokolade bewaffnet an seinem Bett stehen und „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her“ anstimmend durch das Pflegeheim schreiten, feierliche Stimmung wie Weihrauch über alle Insassen zu nebeln gedenken und im befriedigten Bewusstsein guter Werke wieder abziehen: „Gehirnamputierte Krüppel, die nicht ahnen, wie schief sie singen.“

Wer eingeschränkt ist wie Sven, lebt nicht nur an Feiertagen im Zustand ständiger Nötigung und muss pausenlos Übergriffe auf seine Intimsphäre ertragen. Die reine Versorgung, das Füttern, Waschen, Trockenlegen, kann noch als Notwendigkeit gelten. Gut gemeintes Mutmachen allerdings geht ihm zu weit. Dankbarkeit darf keiner erwarten. Was ihn tröstet, entscheidet er selbst. Eine Frage der Würde. Sven ist ein Mensch, Tetraplegiker, gelähmt vom Hals abwärts. Diagnose Muskeldystrophie. Bald wird er sterben, ein sinnvoller Zweifel daran gehört ins Reich des christlichen Wunderglaubens. Ob die Lunge oder das Herz zuerst versagen wird, steht noch nicht fest. Das mag der allmächtige Würfler entscheiden.

Eibe Maleen Krebs’ großartiges Kammerspiel „Draußen in meinem Kopf“, das das ZDF als „Kleines Fernsehspiel“ in der Reihe „Shooting Stars – Junges Kino im Ersten“ zeigt, ist alles andere als eine weitere unterhaltsame Mutmachvariante der Spielfilmuntergattung „Ziemlich beste Freunde“. Obwohl auch hier mit Christoph (toll: Nils Hohenhövel) ein Pfleger den Counterpart des Gelähmten spielt. Aber sowohl Krebs’ Buch und Regie als auch Judith Kaufmanns sensible und augenöffnende Kameraarbeit machen „Draußen in meinem Kopf“ zu einem ganz besonderen Film über eine Freundschaft, die gleichzeitig Sterbebegleitung und Abschiednehmen ist. Als Christoph, der junge, etwas schüchterne, sexuell ein wenig verklemmte FSJler (Freiwillige Soziale Jahr) seine Freiwilligenstelle als Svens neuer Betreuer antritt, überwiegt seine Irritation. ... (FAZ)

https://www.zdf.de/filme/das-kleine-fernsehspiel/draussen-in-meinem-kopf-104.html

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