Draußen in meinem Kopf
Ein wunderbarer Film .... und ... ein sehr, sehr, sehr wichtiger Film ...
Eibe
Maleen Krebs’ „Draußen in meinem Kopf“ ist ein besonderer Film über eine
Freundschaft zwischen Sterbebegleitung und Abschiednehmen. Er ist intim,
gefühlvoll – aber auch schrecklich authentisch.
Nichts
verachtet Sven (Samuel Koch, seit seinem Unfall bei „Wetten, dass ..?“ gelähmt)
so sehr wie die Gutmenschen, die an Weihnachten mit Schokolade bewaffnet an
seinem Bett stehen und „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her“ anstimmend durch das
Pflegeheim schreiten, feierliche Stimmung wie Weihrauch über alle Insassen zu
nebeln gedenken und im befriedigten Bewusstsein guter Werke wieder abziehen:
„Gehirnamputierte Krüppel, die nicht ahnen, wie schief sie singen.“
Wer
eingeschränkt ist wie Sven, lebt nicht nur an Feiertagen im Zustand ständiger
Nötigung und muss pausenlos Übergriffe auf seine Intimsphäre ertragen. Die
reine Versorgung, das Füttern, Waschen, Trockenlegen, kann noch als Notwendigkeit
gelten. Gut gemeintes Mutmachen allerdings geht ihm zu weit. Dankbarkeit darf
keiner erwarten. Was ihn tröstet, entscheidet er selbst. Eine Frage der Würde.
Sven ist ein Mensch, Tetraplegiker, gelähmt vom Hals abwärts. Diagnose
Muskeldystrophie. Bald wird er sterben, ein sinnvoller Zweifel daran gehört ins
Reich des christlichen Wunderglaubens. Ob die Lunge oder das Herz zuerst
versagen wird, steht noch nicht fest. Das mag der allmächtige Würfler
entscheiden.
Eibe
Maleen Krebs’ großartiges Kammerspiel „Draußen in meinem Kopf“, das das ZDF als
„Kleines Fernsehspiel“ in der Reihe „Shooting Stars – Junges Kino im Ersten“
zeigt, ist alles andere als eine weitere unterhaltsame Mutmachvariante der
Spielfilmuntergattung „Ziemlich beste Freunde“. Obwohl auch hier mit Christoph
(toll: Nils Hohenhövel) ein Pfleger den Counterpart des Gelähmten spielt. Aber
sowohl Krebs’ Buch und Regie als auch Judith Kaufmanns sensible und
augenöffnende Kameraarbeit machen „Draußen in meinem Kopf“ zu einem ganz
besonderen Film über eine Freundschaft, die gleichzeitig Sterbebegleitung und
Abschiednehmen ist. Als Christoph, der junge, etwas schüchterne, sexuell ein
wenig verklemmte FSJler (Freiwillige Soziale Jahr) seine Freiwilligenstelle als
Svens neuer Betreuer antritt, überwiegt seine Irritation. ... (FAZ)
https://www.zdf.de/filme/das-kleine-fernsehspiel/draussen-in-meinem-kopf-104.html
Freitag, 26. Juli 2019
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