Die wahren Barbaren waren die Christen
Nicht Begeisterung für den neuen Glauben, sondern vor allem Terror habe dem Christentum zum Sieg verholfen. Intolerant und bildungsfeindlich seien die Anhänger der monotheistischen Religion aus dem Orient gewesen, die meinten, für sich die Wahrheit gepachtet zu haben. Und die sich deshalb berechtigt und sogar verpflichtet gefühlt hätten, alle anderen notfalls mit Gewalt zu ihrem Seelenheil zu zwingen.
Entgegen der christlichen Überlieferung seien nicht die „Heiden“, sondern die Christen die wahren Barbaren gewesen. Nixen ist überzeugt davon, dass viele Jesus-Anhänger mit ihrer Ignoranz und ihrem Fundamentalismus ganz wesentlich zum Niedergang der griechisch-römischen Antike beigetragen haben. Wörtlich schreibt die Autorin: „Dies ist ein Buch über die Zerstörung der klassischen Welt durch die Christen.“
Zu Wort kommen lässt Nixey damalige Kritiker des Christentums wie die Philosophen Kelsos und Porphyrios. Diese Intellektuellen hielten die aufstrebende Religion für unvernünftig, widersinnig und sogar schädlich für den römischen Staat. Ausführlich schildert die Historikerin Gewalttaten von Christen gegen Nichtchristen – die Zerstörung von Statuen und Tempeln, die Verbrennung von Büchern, die Bespitzelung von Mitbürgern, das Eindringen in ihre Häuser, um „dämonische“ und „teuflische“ Gegenstände zu entwenden oder zu zerstören.
Ein ganzes Kapitel handelt davon, wie im Jahr 392 christliche Fanatiker den Serapis-Tempel in der ägyptischen Metropole Alexandria – laut antiken Quellen eines der großartigsten Gebäude der Welt – in Schutt und Asche legten. Ein anderes Kapitel widmet sich dem Mord an der berühmten Mathematikerin und Philosophin Hypatia wenige Jahrzehnte später. Verantwortlich für die bestialische Tat waren die Milizen des Patriarchen von Alexandria, Kyrill. Bis heute wird er von Katholiken und Orthodoxen als Heiliger verehrt.
Verhalf Terror dem Christentum zum Sieg?
„Es ist ein Buch über die vielen Tragödien, die sich hinter dem ‚Triumph‘ des Christentums verbergen“, schreibt Nixey über ihr Werk. Und kehrt die traditionelle Täter-Opfer-Konstellation um: „Die kurzen und sporadischen Christenverfolgungen im Römischen Reich waren nichts im Vergleich zu dem, was die Christen den Andersgläubigen antaten – von den Ketzern in den eigenen Reihen ganz zu schweigen.“
Catherine Nixey: „Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten“
Aus dem Englischen von Cornelius Hartz
DVA, München 2019, 400 Seiten, 25 Euro
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