Bruchstücke des Realen
Robert A. Caro ist, wie man seinem einnehmenden Stil ablesen kann, ein Verehrer des Viktorianers Anthony Trollope. Er arbeitet noch mit Schreibmaschine und pinnt sich Leitsätze an die Wand. Er trägt Krawatte, um sich daran zu erinnern, dass Schreiben Arbeit bedeutet. Und er glaubt an die Notwendigkeit des Revidierens, Überarbeitens und Feilens.
Deshalb wirkt seine Prosa wie sorgfältig geschmiedetes Eisen. Seine Figurenporträts sind nuanciert und von bemerkenswerter Überparteilichkeit, seine Beschreibungen sinnlich, die Kenntnis institutioneller Abläufe ist staunenerregend – aber über allem schwebt wirkliche literarische Inspiration, die sich der Faktenbasis bedient, um aus den drögen Abläufen des Parlamentarismus ein Drama mit Shakespeare-Anmutung zu machen. Wer so schreibt, muss ein Verfassungspatriot sein und die Menschen im tiefsten Kern für lernfähig halten.
In allen seinen Büchern, hat Robert Caro gesagt, sei es ihm immer um dasselbe gegangen: zu zeigen, wie politische Macht funktioniert, im idealen und im schmutzigsten Fall, auf offiziellem und inoffiziellem Wege, im Parlament und im Hinterzimmer, wo die eigentlichen Deals geschmiedet werden; wie Macht erobert, zweckentfremdet, benutzt und missbraucht werden kann. Man darf das im weiteren Sinn demokratische Staatsbürgerkunde nennen. Deswegen räumt der Autor ein, an die „objektive Wahrheit“, sei schwer heranzukommen; doch Fakten seien nachprüfbar und könnten aufgespürt werden – Bruchstücke des Realen, die in Kombination mit unzähligen anderen eine wahre Geschichte erzählen. (FAZ)
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