„Die deutschen Konzentrationslager waren
eine Welt für sich, ein Staat für sich – eine Ordnung ohne Recht, in die der
Mensch geworfen wurde, der nun mit all seinen Tugenden und Lastern – mehr
Lastern als Tugenden – um die nackte Existenz und das bloße Überdauern kämpfte.
Gegen die SS allein? Beileibe nicht; genauso, ja noch mehr gegen seine eigenen
Mitgefangenen! Das Ganze hinter den eisernen Gitterstangen einer
terroristischen Disziplin ein Dschungel der Verwilderung, in den von außen
hineingeschossen, aus dem zum Erhängen herausgeholt, in dem vergiftet, vergast,
erschlagen, zu Tode gequält, um Leben, Einfluß und Macht intrigiert, um
materielle Besserstellung gekämpft, geschwindelt und betrogen wurde, neue
Klassen und Schichten sich bildeten, Prominente, Parvenüs und Parias innerhalb
der Reihen der Sklaven, wo die Bewußtseinsinhalte sich wandelten, die
sittlichen Wertmaßstäbe bis zum Zerbrechen sich bogen, Orgien begangen und Messen
gefeiert, Treue gehalten, Liebe erwiesen und Haß gegeifert, kurzum die tragoedia
humana in absonderlichster Weise exemplifiziert wurde.“
Eugen Kogon im Vorwort zu seinem Buch „SS-Staat“
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