Freitag, 12. April 2019

12,04.2019 - Künstler

Künstler sind keine besseren Menschen
... Es sind ja so viele: Nolde ein Hitler-Freund, Günter Grass Mitglied der Waffen-SS, Walter Jens NSDAP-Mitglied, Richard Wagner und Luther Antisemiten, Picasso Sexist – und Brecht hat die Frauen bekanntlich auch ausgebeutet. Vom mutmaßlich pädophilen „King of Pop“ Michael Jackson oder sexuell übergriffigen Hollywoodmogulen, Schauspielern und Dirigenten ganz zu schweigen. Also ab in den Giftschrank mit Luther-Bibel, „Meistersinger“, „Dreigroschenoper“ und „House of Cards“? Und nie mehr tanzen auf „Billie Jean“? ...
Auch die Ästhetik hat ihre Ethik. Aber wie viel Moral verträgt die Kunst? Wieder, wie bei den Diskussionen um gendergerechte Sprache, um Kunst aus kolonialem Kontext, um Klima-Sünder oder ein des Sexismus verdächtigen Gedichts an einer Hochschulfassade sind die Fronten schnell verhärtet. Entweder man wirft den anderen moralinsaure Zensurgelüste vor und umgekehrt Machismo, Rassismus, Geschichtsverklärung.
Künstler sind keine besseren Menschen. Es gibt genauso viele miese, widersprüchliche und großartige Charaktere unter ihnen wie in anderen Berufsgruppen. Mehr noch: Monster können Meisterwerke schaffen, herzensgute Menschen schlechte Maler oder Musiker sein. Wenn es etwas taugt, dann verrät ein Kunstwerk nicht nur etwas über das subjektive Befinden seines Schöpfers, sondern auch über die kollektive Befindlichkeit der Gesellschaft, in der es entstand. Künstlerinnen und Künstler sind Kinder ihrer Zeit. Und doch sind ihre Werke weit mehr als bloß ein Spiegel. Sie führen ein Eigenleben, sie übersteigen die Absichten ihres Schöpfers. Sonst ist es keine Kunst. (Tagesspiegel)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

31.12.2019 - Silvester

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern Von Hans Christian Andersen Es war ganz grausam kalt; es schneite und es begann d...