Donnerstag, 7. Februar 2019

07.02.2019 - Goethe

Protestantischer Antisemitismus über mehr als 400 Jahren lang ... in Heilbronn


Johann Wolfgang von Goethe  in Heilbronn - das hat er damals in Heilbronn erlebt und gefunden ...  am 27. und 28. August 1797 - vor 221 Jahren... Goethes Notizen am 28. August 1797 über Heilbronn ...


"Die Menschen sind durchaus höflich und zeigen in ihrem Betragen eine gute natürlich stille bürgerliche Denkart. Es werden keine Juden hier gelitten." ...


"Vor dem Thor steht ein großes Gebäude, das ehemals ein Waisenhaus war; die Waisen sind aber gegenwärtig nach den bekannten Beyspielen auf Dörfer vertheilt."...


"Die Obrigkeit besteht aus lauter Protestanten und Studirten. Sie scheint sehr gut zu haushalten, denn sie hat die bisherigen Kriegslasten ohne Aufborgung oder neue Auflagen bestritten."


Antisemitismus, schon vor der Reformation in Heilbronn … und danach viel heftiger.

In anderen Städten und Dörfern durften Juden wohnen … in Heilbronn nicht.


Der „Papst“ der Evangelen, Martin Luther, hasste die Juden und wollte sie alle verbrennen lassen – wie Hexen … die Juden aber mit Kinder, Erwachsenen und Alten in ihren Synagogen – alle Türen versperren und verbrennen.


Bis 1830 durften in Heilbronn keine Juden wohnen …


Als wir, meine Eltern mit ihren zwei Kindern, 1960 nach Heilbronn zogen, das besuchte die neuen Mieter Ueckert eine Nachbarin, eine Frau Merkle … eine alte Heilbronnerin …und die fragte meine Mutter, ob wir katholisch oder evangelisch sind.


Meine Eltern waren wohl evangelisch getauft und konfirmiert – auch evangelisch in Berlin getraut … Meine Eltern gingen aber nie in die Kirche – nur ich ging seit meinem fünften Lebensjahr sonntäglich  in den Gottesdienst – wegen der Nachbarin Berta Franz, eine 65-jährige Kriegerwitwe in Grimmen/Vorpommern, meiner Heimat – die Frau  hetzte auch gegen Juden und Katholiken – als sie fragte danach, naiv wie ich war, ich habe gehört, es gibt noch andere interessante Religionen … wie Juden und Katholiken … nicht nur solche  wie die Evangelischen.

Eine Freundin von mir, auch so alt wie ich, ist katholisch … und die hatte mir wunderliche und sehr schöne Dinge von ihrer Kirche erzählt.


Danach durfte ich nur noch in den Evangelen-Kindergottesdienst – Befehl meiner Mutter. Wenn ich das unbedingt wolle – dann Kindergottesdienst …


Weil die Witwe Franz gesagt hat, die Katholen hätten einen Papst, und der sei ein Teufel …. und die Juden gäbe es hier in Vorpommern nicht mehr, weil ...


Diese Hetze wollte mein Mutter nicht dulden.


Ich war nicht fromm – ich liebte die Kirchen wie das Theater – wie später die Stücke in richtigen Stadt- oder Staatstheatern, etc. … nach Aristotoles – siehe: „Die philosophischen Gedanken von Aristoteles haben sich fundamental mit dem Menschen beschäftigt.  … Aristoteles Menschenbild baut darauf auf, dass der Mensch handelt, um glücklich zu werden. Das Menschenbild stellt das Streben nach Glück in den Mittelpunkt.“


Damals – in Heilbronn im Jahr 1960, da antwortete meine Mutter, ob wir nun evangelisch oder katholisch seien, der Frau Merkle schüchtern: „Evangelisch.“


„Das ist gut“, antwortete unsere neue Nachbarin Frau Merkle, ganz von oben herab, „in Heilbronn ist man evangelisch. Katholiken sind noch verlogener als die Juden.“


Ich staunte sehr … denn ich ging gelegentlich auch in die katholische Kirche …

und später lernte ich Schulkameraden, die Juden waren, und die waren sehr nett, freundlich und nicht verlogen.


Wenn überhaupt, haben sie so schülerhaft gelogen wie ich … aber nicht verlogen.


Die Protestanten in Heilbronn - vom OB und bis hin zum Prälat - haben kein bewusstes Verhältnis zu ihrem hunderte Jahren alten, protestantischen Antisemitismus … das merkte ich immer an ihren hysterischen Worten, wenn es um Antisemitismus geht … Dann meldet sich in ihnen der antisemitische Luther-Teufel … und tobt im Wahn …

Über 500 Jahre Antisemitismus-Tradition im protestantischen Heilbronn wirkt…oder wie Friedrich Nietzsche gesagt hat: Antisemitismus ich eine Geisteskrankheit. … und der muss es wissen – als ein Sohn eines evangelischen Pfarrers.

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