SPIEGEL-Mitarbeiter
Im SPIEGEL war der traurige Satz zu lesen: «Wie unvoreingenommen können Journalisten noch berichten, wenn ihr eigenes Verhalten infrage gestellt wird?»
Was genau bedeutet diese offenbar rhetorisch gemeinte Frage? Dass niemand massloses, böswilliges oder dummes Verhalten von Journalisten thematisieren darf? Beim «Spiegel» ist das Selbstbewusstsein immer besonders ausgeprägt. Aber es steht zu fürchten, dass viele Vertreter des Berufsstands diesen Immunitätsanspruch teilen. Die unausgesprochene Grundannahme der Journalisten lautet zu oft: Wir sind die Guten, wir haben keine eigenen
Interessen, wir stehen für die Kritik an den Mächtigen, wir können die Wahrheit erkennen. Es ist schon klar, dass Journalisten nach alldem streben müssen – aber jede Lebenserfahrung spricht dagegen, dass das immer gelingt.
In Sachen Relotius war nun wirklich nichts mehr zu retten, weshalb der «Spiegel» dann eben die tollste selbstkritische Titelgeschichte, die beste Fehleraufarbeitung aller Zeiten, den schonungslosesten Umgang mit einem Ex-Mitarbeiter präsentierte – und alles war wundervoll geschrieben. NZZ
Donnerstag, 24. Januar 2019
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